Zum Hauptinhalt springen
Ratgeber · Pflege & Pflegegrade

Grundpflege: Was dazugehört und wer sie zahlt

Grundpflege heißt Hilfe bei Körperpflege, Anziehen, Essen und Mobilität — bezahlt von der Pflegekasse ab Pflegegrad 2. Was dazugehört, was Behandlungspflege ist und wie die Kombinationsleistung rechnet.

S Sarah Müller ca. 5 Min. Lesezeit
Grundpflege: Was dazugehört und wer sie zahlt | BeHome Care

Auf einen Blick: Grundpflege ist die Hilfe bei dem, was jeder Mensch täglich für sich selbst tut — Waschen, Anziehen, Essen, zur Toilette gehen, Aufstehen. Sie zahlt die Pflegekasse als Pflegesachleistung nach § 36 SGB XI, ab Pflegegrad 2, mit monatlich 796 € (PG 2), 1.497 € (PG 3), 1.859 € (PG 4) oder 2.299 € (PG 5). Nicht zur Grundpflege gehören Spritzen, Verbände und Medikamentengabe — das ist Behandlungspflege, läuft über die Krankenkasse und braucht eine ärztliche Verordnung.

„Grundpflege" klingt nach einem Formularwort, und genau so wird es meistens auch benutzt: In Beratungsgesprächen fällt der Begriff, alle nicken, und hinterher weiß niemand, was der Pflegedienst nun konkret macht — und was er ausdrücklich nicht macht.

Dabei ist die Antwort greifbar. Grundpflege ist alles, was mit dem eigenen Körper zu tun hat und was man normalerweise selbst erledigt.

Was zur Grundpflege gehört

Die Pflegeversicherung fasst diese Hilfen unter „Selbstversorgung" zusammen. Im Begutachtungsverfahren ist das Modul 4, und es ist mit 40 Prozent das schwerstwiegende der sechs Module — kein anderer Bereich beeinflusst den Pflegegrad so stark.

Konkret geht es um:

  • Körperpflege: Waschen, Duschen, Baden, Zahn- und Mundpflege, Rasieren, Kämmen
  • An- und Auskleiden, auch das Auswählen passender Kleidung
  • Essen und Trinken: mundgerechtes Zubereiten, Anreichen, auf ausreichende Flüssigkeit achten
  • Toilettengang, Umgang mit Inkontinenzmaterial, Wechsel von Vorlagen
  • Mobilität: Aufstehen, Umsetzen vom Bett in den Rollstuhl, Positionswechsel im Bett

Der letzte Punkt wird oft unterschätzt. Regelmäßiges Umlagern ist keine Bequemlichkeit, sondern die wirksamste Vorbeugung gegen Druckgeschwüre — und die entstehen schneller, als die meisten Familien erwarten.

Was Grundpflege nicht ist

Hier liegt die häufigste Verwechslung. Diese drei Bereiche sehen im Alltag ähnlich aus, laufen aber über völlig verschiedene Wege:

Was Rechtsgrundlage Wer zahlt Voraussetzung
Grundpflege § 36 SGB XI Pflegekasse Pflegegrad ab 2
Behandlungspflege § 37 SGB V Krankenkasse ärztliche Verordnung
Hauswirtschaft § 36 SGB XI / § 45b Pflegekasse Pflegegrad

Behandlungspflege umfasst Verbandwechsel, Injektionen, Medikamentengabe, Kompressionsstrümpfe, Blutzuckermessung. Sie braucht keinen Pflegegrad, dafür aber eine Verordnung vom Arzt. Wer also nach einer Operation Verbände braucht, aber keinen Pflegegrad hat, bekommt trotzdem Hilfe — nur über einen anderen Antragsweg. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur häuslichen Krankenpflege und auf der Seite zur Behandlungspflege.

Grundpflege: Was dazugehört und wer sie zahlt | BeHome Care

Hauswirtschaft — Einkaufen, Kochen, Wäsche, Reinigung — ist wiederum ein dritter Bereich. Er wird häufig aus dem Entlastungsbetrag finanziert und lässt sich mit Grundpflege im selben Einsatz kombinieren.

Was die Pflegekasse 2026 zahlt

Die Pflegesachleistung ist ein Monatsbudget. Es steht nicht als Geld zur Verfügung, sondern als Leistungsvolumen: Der Pflegedienst rechnet seine Einsätze direkt mit der Pflegekasse ab, bis das Budget ausgeschöpft ist.

Pflegegrad Pflegesachleistung § 36 Pflegegeld § 37
2 796 € 347 €
3 1.497 € 599 €
4 1.859 € 800 €
5 2.299 € 990 €

Bei Pflegegrad 1 gibt es keine Pflegesachleistung. Dort trägt der Entlastungsbetrag von 131 € monatlich, und der reicht für Betreuung und Hauswirtschaft, nicht für regelmäßige Körperpflege.

Die Kombinationsleistung — der Punkt, an dem es kompliziert wird

Die meisten Familien nutzen nicht entweder Pflegedienst oder Pflegegeld, sondern beides. Das ist ausdrücklich vorgesehen und heißt Kombinationsleistung.

Die Rechnung dahinter ist einfacher, als sie klingt: Das Pflegegeld wird um den Anteil gekürzt, zu dem die Sachleistung ausgeschöpft wurde. Wer bei Pflegegrad 3 die Hälfte der 1.497 € über den Pflegedienst verbraucht, bekommt noch die Hälfte des Pflegegeldes, also rund 300 €.

Was daraus praktisch folgt: Wenige, dafür gezielte Pflegedienst-Einsätze erhalten einen großen Teil des Pflegegeldes. Wer den Dienst dagegen täglich zweimal kommen lässt, schöpft das Budget aus und das Pflegegeld entfällt. Beides kann richtig sein — es sollte nur eine bewusste Entscheidung sein und keine Überraschung auf dem Kontoauszug. Wie sich die Beträge im Einzelnen zusammensetzen, steht im Ratgeber Pflegeleistungen 2026 im Überblick.

Wie ein Grundpflege-Einsatz in der Praxis abläuft

Ein Morgeneinsatz dauert je nach Bedarf zwischen 20 und 45 Minuten. Er folgt keinem Schema, sondern der Verfassung des Tages — aber die Struktur ist meistens gleich:

  1. Ankommen, kurzes Gespräch, Einschätzung: Wie war die Nacht, gibt es Schmerzen, ist die Haut auffällig?
  2. Körperpflege am Waschbecken, im Bett oder unter der Dusche — so viel Eigenständigkeit wie möglich
  3. Anziehen, dabei Hautbeobachtung an Rücken, Fersen und Steiß
  4. Frühstück richten, Getränk bereitstellen, Medikamente nach Plan (sofern verordnet)
  5. Dokumentation und, wenn nötig, Rückmeldung an Angehörige oder Hausarzt

BeHome Care erbringt Grundpflege in Bochum, Wattenscheid und im angrenzenden Ruhrgebiet — meist im selben Einsatz kombiniert mit Behandlungspflege und Hauswirtschaft, damit nicht drei verschiedene Menschen an einem Vormittag klingeln. Details zum Leistungsumfang stehen auf der Seite Grundpflege.

Was Familien bei der Begutachtung regelmäßig zu niedrig angeben

Weil Modul 4 mit 40 Prozent das schwerste Modul ist, entscheidet sich der Pflegegrad häufig genau hier. Und genau hier untertreiben Angehörige am meisten — nicht aus Bescheidenheit, sondern weil sie den Maßstab falsch setzen.

Der Gutachter fragt nicht, ob jemand etwas im Prinzip kann. Er fragt, ob es selbstständig, sicher und in angemessener Zeit gelingt. Wenn Ihre Mutter sich zwar allein wäscht, dafür aber vierzig Minuten braucht und danach erschöpft ist, dann ist das nicht „selbstständig".

Achten Sie deshalb auf diese fünf Punkte, wenn Sie den Termin vorbereiten:

  • Aufforderung zählt als Hilfe. Wer nur wäscht, wenn man ihn daran erinnert, braucht Unterstützung — auch wenn die Handgriffe selbst klappen.
  • Schwankungen gehören dokumentiert. Gute und schlechte Tage nicht mitteln. Beschreiben Sie beide, mit Häufigkeit.
  • Nachtstunden werden vergessen. Zweimaliges nächtliches Begleiten zur Toilette ist relevant und taucht in kaum einem Bericht auf.
  • Zeitaufwand ist ein Signal. Notieren Sie, wie lange Waschen und Anziehen tatsächlich dauern.
  • Sicherheit vor Fähigkeit. Duschen mit Sturzrisiko ist keine selbstständige Körperpflege.

Ein Pflegetagebuch über zwei Wochen ist dafür das wirksamste Mittel, das Sie haben — es verwandelt Eindrücke in Belege.

Häufige Fragen

Brauche ich für Grundpflege einen Pflegegrad? Ja, mindestens Pflegegrad 2. Ohne Pflegegrad ist Grundpflege eine Privatleistung. Falls noch keiner vorliegt: Pflegegrad beantragen.

Kann ich bestimmen, welche Handgriffe der Dienst übernimmt? Ja. Der Leistungsumfang wird im Pflegevertrag festgelegt und ist jederzeit änderbar. Sinnvoll ist, genau das abzugeben, was zu Hause nicht mehr sicher gelingt — und den Rest selbst zu behalten.

Was passiert, wenn das Budget nicht reicht? Dann tragen Sie die Mehrkosten selbst, oder Sie prüfen eine Höherstufung. Wie das geht, steht in Pflegegrad-Höherstufung beantragen.

Zählt Hilfe beim Aufstehen schon als Grundpflege? Ja, Mobilität gehört dazu — Aufstehen, Umsetzen, Positionswechsel. Gerade diese Leistungen werden bei der Begutachtung häufig zu niedrig angegeben.

Bekomme ich Grundpflege auch am Wochenende? Ein zugelassener Pflegedienst versorgt an sieben Tagen die Woche. Wochenend- und Feiertagseinsätze sind Regelfall, nicht Ausnahme.


Unsicher, welche Leistung Sie eigentlich brauchen? Wir schauen uns Ihre Situation an und sagen Ihnen, was über die Pflegekasse läuft, was über die Krankenkasse und was Sie selbst tragen müssten — kostenlos und ohne Verpflichtung. Telefon 02327 4177490 oder über das Kontaktformular.

Weiterführend:

Stand: September 2026. Die genannten Beträge gelten seit dem 1. Januar 2025 unverändert fort; wir prüfen diesen Ratgeber bei jeder Leistungsanpassung nach.

Portrait von Sarah Müller
Fachbeitrag von

Sarah Müller

Teamleitung BeHome Care

Sarah Müller leitet seit über 10 Jahren die Pflege bei BeHome Care. Ihre Expertise liegt in der Strukturierung von Pflege-WGs und der Qualitätssicherung in der ambulanten Pflege.

Alle Beiträge von Sarah Müller →
Fachlich geprüft von Katja Niedzwecki, Stellv. Pflegedienstleitung · Stand: September 2026
Pflege-Rechner
02327 4177490 Kostenlose Beratung