Auf einen Blick
Ein Dekubitus — umgangssprachlich Druckgeschwür oder Wundliegen — entsteht durch dauerhaften Druck auf eine Körperstelle, die nicht ausreichend bewegt wird. Bei sehr gefährdeten Menschen kann er schon nach wenigen Stunden ununterbrochenen Drucks beginnen. Vorbeugen heißt: regelmäßig Position wechseln (im Bett etwa alle zwei Stunden), Haut täglich kontrollieren, Druck mit geeigneten Hilfsmitteln verteilen, ausreichend Eiweiß und Flüssigkeit, Reibung vermeiden. Pflegefachkräfte handeln nach dem Expertenstandard des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP), der durch § 113a SGB XI gesetzlich verankert ist. Behandlungspflege bei offenen Wunden läuft über § 37 SGB V — Pflegehilfsmittel wie Wechseldruckmatratzen über § 40 SGB XI.
In Kürze: Druckgeschwüre sind fast immer vermeidbar — durch regelmäßige Lagerung, gepflegte trockene Haut, passende Matratze und gute Ernährung. Bei ersten Anzeichen — Rötung, die sich nicht wegdrücken lässt — sofort entlasten. Ab offener Haut gehört es in ärztliche und pflegefachliche Hände.
Sie helfen Ihrer Mutter morgens aus dem Bett und bemerken am Steiß eine gerötete Hautstelle, die sich auch nach einer Stunde nicht zurückbildet. Vielleicht tut ihr das Liegen an dieser Stelle weh. Solche Zeichen sollten Sie ernst nehmen – sie können der Beginn eines Dekubitus sein, eines Druckgeschwürs. Die gute Nachricht: In der häuslichen Pflege lässt sich ein Dekubitus in den allermeisten Fällen vermeiden, wenn man weiß, worauf es ankommt.
Was ist ein Dekubitus – und wie entsteht er?
Ein Dekubitus entsteht, wenn anhaltender Druck die kleinen Blutgefäße abdrückt. Das Gewebe wird dann nicht mehr richtig durchblutet und beginnt, Schaden zu nehmen. Besonders gefährdet sind Stellen, an denen ein Knochen dicht unter der Haut liegt: Steiß und Kreuzbein, die Fersen, die Hüften, Ellenbogen, Schulterblätter und der Hinterkopf.
Das Risiko steigt, wenn jemand viel liegt oder sitzt und sich kaum selbst bewegt, bei Feuchtigkeit auf der Haut (etwa durch Inkontinenz oder Schwitzen), bei dünner, empfindlicher Haut, bei Mangelernährung sowie bei Durchblutungsstörungen oder Diabetes. Neben dem reinen Druck spielen auch Reibung und Scherkräfte eine Rolle – zum Beispiel, wenn ein Mensch im Bett nach unten rutscht und die Haut dabei „verschoben" wird.
Wichtig zu wissen: Ein Dekubitus kann bei stark gefährdeten Menschen schon nach wenigen Stunden ununterbrochenen Drucks beginnen. Genau darauf beruht die bekannte Faustregel, mindestens alle zwei Stunden die Position zu wechseln.
Die vier Stadien – wann es ernst wird
Fachleute unterscheiden vier Kategorien, die die Tiefe der Schädigung beschreiben:
- Kategorie 1: Die Haut ist noch intakt, zeigt aber eine bleibende Rötung, die sich nicht wegdrücken lässt. Jetzt ist konsequente Entlastung am wichtigsten – in diesem Stadium ist noch viel zu retten.
- Kategorie 2: Die oberste Hautschicht ist geschädigt, es zeigt sich eine Blase oder eine flache offene Stelle.
- Kategorie 3: Die Haut ist vollständig durchbrochen, das darunterliegende Fettgewebe wird sichtbar.
- Kategorie 4: Tiefe Wunde mit freiliegenden Sehnen, Muskeln oder Knochen.
Spätestens ab Kategorie 2 – also sobald die Haut offen ist – gehört ein Dekubitus immer in ärztliche und pflegefachliche Hände. Je früher er versorgt wird, desto besser heilt er.
Woran erkennen Sie die ersten Anzeichen?
Das früheste Warnzeichen ist eine Rötung, die nicht verschwindet. Ein einfacher Test hilft: Drücken Sie mit dem Finger sanft auf die gerötete Stelle. Wird die Haut kurz weiß und färbt sich danach wieder rot, ist die Durchblutung in der Regel noch in Ordnung. Bleibt die Stelle dagegen rot und lässt sich nicht wegdrücken, ist das ein Alarmzeichen für einen beginnenden Dekubitus.
Achten Sie außerdem auf Überwärmung, eine Verhärtung der Haut, Schmerzen oder – umgekehrt – ein taubes Gefühl. Bei dunklerer Haut ist eine Rötung schwer zu erkennen; hier sind Wärme, Verhärtung und Schmerz die wichtigeren Hinweise.
Die wichtigsten Maßnahmen, um vorzubeugen
- Regelmäßig die Position wechseln. Als Faustregel im Bett etwa alle zwei Stunden, im Sitzen häufiger. Schon kleine Bewegungen entlasten. Motivieren Sie Ihren Angehörigen, sich soweit wie möglich selbst zu bewegen, und lagern Sie gefährdete Stellen wie die Fersen frei.
- Die Haut pflegen und trocken halten. Schauen Sie täglich – am besten beim Waschen – die Risikostellen an. Trocknen Sie gründlich ab, auch in Hautfalten, und sorgen Sie bei Inkontinenz für raschen Wechsel und Hautschutz.
- Druck mit Hilfsmitteln verteilen. Eine Weichlagerungs- oder Wechseldruckmatratze und passende Sitzkissen nehmen Druck von den gefährdeten Stellen. Achten Sie auf ein faltenfreies Laken und darauf, dass keine harten Gegenstände unter dem Körper liegen.
- Gut essen und trinken. Ausreichend Eiweiß (zum Beispiel Quark, Eier, Hülsenfrüchte), Vitamine und genügend Flüssigkeit halten die Haut widerstandsfähig. Mangelernährung und Austrocknung gehören zu den größten Risikofaktoren – behalten Sie gerade bei appetitlosen Angehörigen Essen und Trinkmenge im Blick.
- Reibung vermeiden. Beim Umlagern heben statt ziehen – am besten zu zweit oder mit einem Hilfsmittel, damit die Haut nicht scheuert.
Eine einfache Tages-Routine für Angehörige
Im Alltag hilft eine feste Routine mehr als gelegentliche Aufmerksamkeit:
- Morgens beim Waschen: alle Risikostellen kurz anschauen und den Wegdrück-Test machen.
- Tagsüber: an den Positionswechsel denken (ein Wecker oder eine Notiz hilft), auf trockene Haut und faltenfreie Unterlagen achten.
- Zu den Mahlzeiten: auf ausreichend Trinken und eiweißreiche Kost achten.
- Abends: noch einmal Haut und Fersen prüfen, bevor es ins Bett geht.
Notieren Sie auffällige Stellen mit Datum – so erkennen Sie und auch der Pflegedienst oder die Ärztin schnell, ob sich etwas verändert.
Häufige Irrtümer rund um den Dekubitus
- „Eine gerötete Stelle muss man massieren." Falsch – das galt früher, gilt heute aber als schädlich, weil es das bereits belastete Gewebe zusätzlich reizt.
- „Dick eincremen oder Melkfett schützt die Haut." Dicke, luftundurchlässige Schichten helfen nicht und können die Haut sogar aufweichen. Wichtiger sind Druckentlastung und eine trockene, gepflegte Haut.
- „Nur bettlägerige Menschen bekommen einen Dekubitus." Auch wer viel im Rollstuhl oder Sessel sitzt, ist gefährdet – am Gesäß und an den Sitzbeinhöckern.
- „Eincremen ersetzt das Umlagern." Keine Creme ersetzt die Entlastung. Bewegung und Positionswechsel bleiben die wichtigste Vorbeugung.
Welche Hilfsmittel helfen – und wer zahlt?
Bei einem anerkannten Pflegegrad beteiligt sich die Pflegekasse an vielen Hilfsmitteln, etwa an einer Wechseldruckmatratze. Manches läuft über eine ärztliche Verordnung, anderes über die Pflegehilfsmittel. Welcher Weg im konkreten Fall passt, klären am besten Ihre Ärztin oder Ihr Arzt, die Pflegeberatung oder Ihr Pflegedienst gemeinsam mit Ihnen.
Hier setzt die häusliche Pflege von BeHome Care an: Unsere Pflegefachkräfte schätzen das Dekubitus-Risiko ein, übernehmen die fachgerechte Wund- und Behandlungspflege auf ärztliche Verordnung und zeigen Ihnen als Angehörige die richtigen Handgriffe zum Lagern und Pflegen – damit Sie sich im Alltag sicherer fühlen.
Wann sollten Sie ärztliche Hilfe holen?
Sobald die Haut offen ist, sich eine Blase oder eine dunkle bis schwarze Verfärbung zeigt – oder wenn sich eine Rötung trotz konsequenter Entlastung nicht zurückbildet – gehört das in fachliche Hände. Ein Dekubitus kann sich rasch verschlimmern und entzünden. Zögern Sie dann nicht, die Hausärztin oder den Hausarzt einzubeziehen.
Wenn Sie unsicher sind, ob bei Ihrem Angehörigen ein Dekubitus-Risiko besteht, rufen Sie uns in Bochum an. Wir schauen gemeinsam, welche Unterstützung – von der häuslichen Pflege bis zur Anleitung für Angehörige – sinnvoll ist.
Häufige Fragen
Wie schnell kann ein Dekubitus entstehen?
Bei stark gefährdeten Menschen kann eine Schädigung schon nach wenigen Stunden ununterbrochenen Drucks beginnen. Deshalb ist der regelmäßige Positionswechsel so wichtig.
Wie oft muss ein bettlägeriger Mensch umgelagert werden?
Als Faustregel etwa alle zwei Stunden, im Sitzen häufiger. Der genaue Abstand hängt vom individuellen Risiko, der Matratze und dem Hautzustand ab – eine Pflegefachkraft kann dafür einen passenden Plan erstellen.
Darf man eine gerötete Stelle massieren?
Nein. Früher wurde das empfohlen, heute gilt es als schädlich: Massage und Reibung können das bereits belastete Gewebe zusätzlich schädigen. Sinnvoll ist allein die konsequente Druckentlastung.
Zahlt die Pflegekasse eine Wechseldruckmatratze?
Bei entsprechendem Bedarf und Pflegegrad ist das häufig möglich – meist über eine ärztliche Verordnung oder als Hilfsmittel. Die Pflegeberatung oder Ihr Pflegedienst unterstützen Sie bei der Beantragung.
Bildet sich ein beginnender Dekubitus wieder zurück?
Eine anhaltende Rötung (Kategorie 1) kann sich bei konsequenter Entlastung zurückbilden. Offene Wunden gehören dagegen immer ärztlich und pflegefachlich versorgt – je früher, desto besser.
Weiterführend:
- Häusliche Krankenpflege (§ 37 SGB V): Was die Kasse zahlt
- Pflegegrad bei chronischen Wunden: Was zählt für die Begutachtung
- Wundversorgung zu Hause: Wer übernimmt was
- Pflegende Angehörige entlasten: Mit BeHome Care planen
Stand: Juli 2026. Empfehlungen orientieren sich am aktualisierten Expertenstandard "Dekubitusprophylaxe in der Pflege" des DNQP.
Quellen: § 37 SGB V (Häusliche Krankenpflege/Wundversorgung) · § 18 SGB XI (Begutachtung) · § 37 Abs. 3 SGB XI (Beratungsbesuch) · § 40 SGB XI (Pflegehilfsmittel, Wechseldruckmatratze) · § 113a SGB XI (Expertenstandards) · DNQP-Expertenstandard "Dekubitusprophylaxe in der Pflege" (3. Aktualisierung) · European Pressure Ulcer Advisory Panel (EPUAP) Leitlinie 2024 · Robert Koch-Institut