Vor der Pflegebegutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD, früher „MDK") fühlen sich viele Familien unsicher: Wird der wahre Hilfebedarf überhaupt richtig erkannt? Ein Pflegetagebuch ist das wirksamste Mittel, um genau das sicherzustellen. Es dokumentiert über ein bis zwei Wochen, wobei und wie viel Unterstützung im Alltag wirklich nötig ist – und liefert dem Gutachter handfeste Belege statt vager Erinnerungen. Wir zeigen, wie Sie es richtig führen, was hineingehört und stellen eine einfache Vorlage vor.
Warum ein Pflegetagebuch so wichtig ist
Bei der Begutachtung entscheidet ein einziger Termin über den Pflegegrad – und damit über Pflegegeld und Leistungen. Das Problem: An einem „guten Tag" wirkt vieles leichter, als es im Alltag tatsächlich ist. Pflegende Angehörige untertreiben zudem oft, weil ihnen die Hilfe selbstverständlich geworden ist.
Ein Pflegetagebuch wirkt dem entgegen. Es:
- macht den tatsächlichen, wiederkehrenden Hilfebedarf sichtbar,
- deckt auch nächtlichen Aufwand und schwankende Tage auf,
- gibt Ihnen im Gespräch Sicherheit und Struktur,
- dient dem Gutachter als objektive Grundlage für eine faire Einstufung.
Was Sie dokumentieren sollten – die 6 Lebensbereiche
Die Einstufung folgt dem Neuen Begutachtungsassessment (NBA) mit sechs Modulen. Orientieren Sie Ihr Tagebuch daran:
- Mobilität – Aufstehen, Umsetzen, Treppensteigen, Fortbewegung in der Wohnung.
- Kognitive und kommunikative Fähigkeiten – Orientierung, Erinnern, Entscheidungen, Gespräche.
- Verhaltensweisen und psychische Problemlagen – Unruhe, Ängste, nächtliches Umherlaufen, Abwehr.
- Selbstversorgung – Waschen, An-/Auskleiden, Essen, Trinken, Toilettengang.
- Bewältigung krankheits-/therapiebedingter Anforderungen – Medikamente, Verbände, Arztbesuche, Hilfsmittel.
- Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte – Tagesstruktur, Beschäftigung, Kontakte.
Notieren Sie zu jeder Tätigkeit: Art der Hilfe (nur Anleitung/Beaufsichtigung, teilweise Übernahme oder vollständige Übernahme), Dauer in Minuten, Häufigkeit und Besonderheiten.
So führen Sie das Pflegetagebuch richtig
- Zeitraum: mindestens eine, besser zwei Wochen – inklusive Wochenende, da der Bedarf schwanken kann.
- Täglich und zeitnah eintragen, nicht aus der Erinnerung am Wochenende.
- Ehrlich und konkret: auch „schlechte Tage" gehören dazu. Schreiben Sie, was tatsächlich passiert ist, nicht was im Schnitt „normal" wäre.
- Uhrzeiten und Minuten festhalten – gerade nächtliche Hilfe wird sonst vergessen.
- Wenn möglich, von mehreren Personen führen lassen, die mithelfen.
Vorlage: So kann eine Tagebuch-Zeile aussehen
| Datum / Uhrzeit | Tätigkeit | Art der Hilfe | Dauer | Bemerkung |
|---|---|---|---|---|
| 14.03., 07:30 | Waschen / Anziehen | teilweise Übernahme | 25 Min | braucht Pausen, Schwindel |
| 14.03., 12:00 | Essen reichen | vollständige Übernahme | 30 Min | isst nur mit Begleitung |
| 14.03., 02:15 | Toilettengang nachts | vollständige Übernahme | 15 Min | 2× pro Nacht |
Führen Sie für jeden Tag mehrere solcher Zeilen. Eine fertige Vorlage zum Ausdrucken stellen wir Ihnen auf Wunsch im kostenlosen Erstgespräch zur Verfügung.
Was Sie am Begutachtungstag damit tun
Legen Sie das ausgefüllte Pflegetagebuch beim Termin offen vor und verweisen Sie darauf. Es untermauert Ihre Angaben und hilft, nichts zu vergessen. Wie Sie sich darüber hinaus optimal vorbereiten, lesen Sie in unserem Ratgeber MDK-Begutachtung vorbereiten. Wie es danach weitergeht – und wie lange Sie auf das Ergebnis warten – erklären wir unter Wie lange dauert es bis zum Pflegegrad-Bescheid?.
Noch kein Antrag gestellt? Dann starten Sie mit unserem Ratgeber Pflegegrad beantragen. Eine erste Einschätzung, welcher Pflegegrad realistisch ist, gibt Ihnen unser Pflegegrad-Check.
Häufige Fragen
Wie lange sollte man ein Pflegetagebuch führen?
Mindestens eine Woche, idealerweise zwei – inklusive Wochenende, damit auch schwankender und nächtlicher Hilfebedarf erfasst wird.
Ist ein Pflegetagebuch Pflicht?
Nein, es ist freiwillig. Es ist aber das wirksamste Hilfsmittel für eine faire Einstufung und wird von Pflegeberatungen ausdrücklich empfohlen.
Was muss ins Pflegetagebuch?
Zu jeder Hilfe: Art der Unterstützung (Anleitung, teilweise oder vollständige Übernahme), Dauer in Minuten, Häufigkeit und Besonderheiten – orientiert an den sechs Modulen des Begutachtungsassessments.
Wer darf das Pflegetagebuch ausfüllen?
Alle, die regelmäßig mithelfen – pflegende Angehörige, Nachbarn oder ein Pflegedienst. Mehrere Sichtweisen machen das Bild vollständiger.
Hilft das Pflegetagebuch auch beim Widerspruch?
Ja. Wurde der Pflegegrad zu niedrig eingestuft, ist ein lückenloses Tagebuch ein starkes Argument im Widerspruchsverfahren.
Wir unterstützen Sie bei jedem Schritt
Sie müssen den Weg zum Pflegegrad nicht allein gehen. BeHome Care berät Sie in Bochum und Umgebung kostenlos, hilft beim Pflegetagebuch und bei der Begutachtung und begleitet Sie bis zur fertigen Versorgung.
Rufen Sie uns an unter 02327 4177490 oder fordern Sie ein unverbindliches Erstgespräch an – wir nehmen uns Zeit für Ihre Situation.


