Auf einen Blick
Pflegegrad 5 ist der höchste Pflegegrad in Deutschland und gilt bei „schwerster Beeinträchtigung der Selbstständigkeit" — ab 90 Punkten im Begutachtungsinstrument nach § 15 SGB XI, in Ausnahmefällen auch darunter. Wer Pflegegrad 5 hat, kann 2026 zwischen 990 € Pflegegeld und bis zu 2.299,50 € Pflegesachleistungen pro Monat wählen, beides nach § 36 und § 37 SGB XI. Hinzu kommen 131 € Entlastungsbetrag (§ 45b), gemeinsame Verhinderungs- und Kurzzeitpflege bis 3.539 € im Jahr (§ 39 und § 42), sowie Pflegehilfsmittel und Wohnumfeld-Anpassungen.
In Kürze: Pflegegrad 5 bedeutet rund-um-die-Uhr-Bedarf. Die Pflegekasse zahlt zu Hause monatlich bis zu 2.299,50 € Sachleistung oder 990 € Pflegegeld; im Heim 2.005 € Zuschuss. Die Kombination aus ambulantem Pflegedienst, Angehörigen und Entlastungsangeboten ist meistens die tragfähigere Lösung als entweder reines Pflegegeld oder reiner Heimplatz.
Der Pflegegutachter hatte an diesem Tag viel Zeit mitgebracht. Er fragte nach, beobachtete, notierte. Am Ende stand fest: Pflegegrad 5 — der höchste Pflegegrad, der in Deutschland vergeben wird. „Das Ergebnis hat uns erleichtert", sagt die Tochter einer Klientin aus Wattenscheid, „weil endlich alle gesehen haben, wie viel Unterstützung meine Mutter wirklich braucht."
Wann wird Pflegegrad 5 vergeben?
Der Medizinische Dienst (MD) vergibt Pflegegrad 5 nach § 15 SGB XI, wenn der Punktwert im Begutachtungsinstrument 90 Punkte oder mehr erreicht. Das entspricht einer schwersten Beeinträchtigung der Selbstständigkeit in fast allen Bereichen des täglichen Lebens.
Das Begutachtungsinstrument bewertet die Selbstständigkeit in sechs Modulen mit unterschiedlichem Gewicht:
- Mobilität (10 Prozent) — vom Wechsel zwischen Bett und Sessel bis zur Treppenbenutzung
- Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (15 Prozent) — Orientierung, Erkennen, Verstehen
- Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (15 Prozent) — nächtliche Unruhe, Aggressionen, Ängste
- Selbstversorgung (40 Prozent) — Körperpflege, Ankleiden, Essen, Trinken, Toilettengang
- Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen (20 Prozent) — Medikamente, Wundversorgung, Arztbesuche
- Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (15 Prozent) — Tagesabläufe, Beschäftigung, Gesellschaft
Pflegegrad 5 ist erreicht, wenn diese gewichteten Werte zusammen mindestens 90 Punkte ergeben.
Typische Situationen: Der Mensch kann sich nicht mehr eigenständig bewegen, nicht mehr kommunizieren, leidet an einer weit fortgeschrittenen Demenz mit Sturzgefahr und Beaufsichtigungsbedarf rund um die Uhr, oder ist nach einem schweren Schlaganfall überwiegend bettlägerig. Auch mehrere gleichzeitig schwere Einschränkungen können in Summe zu Pflegegrad 5 führen.
Besonderheit „außergewöhnlich hoher Pflegebedarf": Bei beatmungspflichtigen Menschen oder bei vergleichbar intensiven Versorgungslagen kann Pflegegrad 5 auch dann vergeben werden, wenn der Punktwert knapp unter 90 liegt. Das regelt § 15 Abs. 4 SGB XI.
Welche Leistungen zahlt die Pflegekasse 2026?
Pflegegeld (§ 37 SGB XI): 990 € monatlich
Pflegegeld bekommen Pflegebedürftige, die zu Hause ausschließlich von Angehörigen oder privat organisierten Pflegepersonen versorgt werden. Die 990 € sind frei verwendbar — sie können an Angehörige weitergegeben werden oder im Haushalt eingesetzt werden.
Voraussetzung ist der halbjährliche Beratungsbesuch nach § 37 Abs. 3 SGB XI durch einen zugelassenen Pflegedienst. Wer den Termin nicht wahrnimmt, riskiert eine Kürzung des Pflegegeldes.
Pflegesachleistungen (§ 36 SGB XI): bis 2.299,50 € monatlich
Wenn ein ambulanter Pflegedienst die Versorgung übernimmt, kann das Budget bis zu 2.299,50 € pro Monat ausgeschöpft werden — der Pflegedienst rechnet direkt mit der Pflegekasse ab.
Bei Pflegegrad 5 ist das häufig der realistischere Weg, weil der Pflegebedarf für rein private Versorgung sehr hoch ist. Mehrfache Tageseinsätze (morgens beim Aufstehen, mittags beim Essen, abends beim Zubettgehen) sind die Regel; Nächte werden meist von Angehörigen oder über Entlastungsangebote abgedeckt.
Kombinationsleistung (§ 38 SGB XI)
Wer sowohl einen Pflegedienst als auch Angehörige einsetzt, kann Pflegegeld und Sachleistungen anteilig kombinieren. Beispiel: Wer 70 Prozent der Sachleistungen nutzt (1.610 €), erhält zusätzlich 30 Prozent des Pflegegeldes — also 297 €.
Entlastungsbetrag (§ 45b SGB XI): 131 € monatlich
Dieser Betrag steht zusätzlich für Betreuungs- und Entlastungsleistungen zur Verfügung. Er kann für anerkannte Alltagsbegleiter, Tagesbetreuung, haushaltsnahe Dienstleistungen oder stundenweise Betreuung eingesetzt werden. Ungenutzte Beträge sind bis zu zwölf Monate übertragbar.
Vollstationäre Pflege (§ 43 SGB XI): 2.005 € Zuschuss
Bei einem Heimeinzug übernimmt die Pflegekasse bei Pflegegrad 5 einen monatlichen Zuschuss von 2.005 €. Der Restbetrag aus den tatsächlichen Heimkosten — der einrichtungseinheitliche Eigenanteil (EEE) plus Unterkunft und Verpflegung — muss aus eigenen Mitteln oder über Hilfe zur Pflege nach SGB XII finanziert werden.
Verhinderungs- und Kurzzeitpflege bei Pflegegrad 5
Wenn die Hauptpflegeperson ausfällt oder eine Auszeit braucht, springt die Pflegekasse mit zwei Töpfen ein:
- Verhinderungspflege (§ 39 SGB XI): bis zu 3.539 € pro Jahr aus dem gemeinsamen Jahresbetrag mit der Kurzzeitpflege (§ 42a SGB XI, seit 1.7.2025)
- Kurzzeitpflege (§ 42 SGB XI): bis zu 1.774 € pro Jahr
Beide Beträge lassen sich seit 2025 flexibel aus einem gemeinsamen Jahresbudget von 3.539 € nutzen. Bei Pflegegrad 5 ist besonders die Kurzzeitpflege nach Krankenhausaufenthalten häufig nötig, weil die Übergangsphase erst stabilisiert werden muss, bevor die Versorgung zu Hause wieder anläuft.
Pflegehilfsmittel und Wohnumfeld
Bei Pflegegrad 5 ist die Wohnung-Anpassung oft die größte Stellschraube für eine tragfähige häusliche Versorgung:
- Pflegehilfsmittel zum Verbrauch (§ 40 Abs. 2 SGB XI): 42 € monatlich für Inkontinenzartikel, Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel — pauschal, ohne Einzelnachweis
- Pflegehilfsmittel zur dauerhaften Nutzung (§ 40 Abs. 1 SGB XI): Pflegebett, Rollstuhl, Hebelift, Lagerungshilfen — kostenfrei oder gegen kleinen Eigenanteil
- Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen (§ 40 Abs. 4 SGB XI): bis zu 4.000 € pro Maßnahme für barrierearmen Umbau (Treppenlift, Türverbreiterung, ebenerdige Dusche)
Behandlungspflege nach § 37 SGB V (Insulingaben, Wundversorgung, Medikamenten-Stellen, Injektionen) läuft separat über die Krankenkasse — bei Pflegegrad 5 fast immer ärztlich verordnet und für Sie kostenfrei.
Häusliche Pflege bei Pflegegrad 5: Was realistisch ist
Die häusliche Versorgung bei Pflegegrad 5 ist anspruchsvoll — sowohl für Angehörige als auch für den Pflegedienst. Das tragfähige Modell ist fast immer eine Kombination:
- mehrfache Tageseinsätze durch einen ambulanten Pflegedienst
- Angehörige oder eine privat organisierte Betreuung für die Zeiten dazwischen
- Behandlungspflege durch eine Pflegefachkraft, wenn ärztlich verordnet
- Entlastung durch Tagespflege, stundenweise Betreuung oder Verhinderungspflege
Was selten gut funktioniert: reines Pflegegeld bei Pflegegrad 5, wenn keine starke familiäre Struktur dahintersteht. Die Belastung der Hauptpflegeperson ist dann oft so hoch, dass nach einigen Monaten der Zusammenbruch droht.
BeHome Care übernimmt in Bochum und im Ruhrgebiet auch Leistungen, die über die Grundpflege hinausgehen — Beatmungsüberwachung, Wundversorgung, Sondenkost, Injektionen. Für Familien, die eine vollstationäre Unterbringung vermeiden möchten, erarbeiten unsere Pflegeberater gemeinsam mit Ihnen ein individuelles Versorgungskonzept und zeigen ehrlich, wo es belastbar ist und wo nicht.
Häufige Fragen zu Pflegegrad 5
Wird Pflegegrad 5 auch bei Demenz vergeben? Ja. Bei Menschen mit schwerer Demenz, die durchgehende Beaufsichtigung brauchen, kann Pflegegrad 5 erreicht werden — auch wenn körperliche Einschränkungen allein den Wert nicht rechtfertigen. Das Modul „Kognitive und kommunikative Fähigkeiten" und das Modul „Verhaltensweisen und psychische Problemlagen" können bei schwerer Demenz allein über 30 von 90 Punkten ausmachen.
Was zahlt die Pflegekasse bei einem Heimeinzug genau? Bei vollstationärer Pflege übernimmt die Pflegekasse bei Pflegegrad 5 einen Pflegekassenzuschuss von 2.005 € monatlich (Stand 2026). Der verbleibende einrichtungseinheitliche Eigenanteil (EEE) und die Kosten für Unterkunft und Verpflegung tragen die Bewohnenden — bei Bedürftigkeit übernimmt das Sozialamt nach Vermögensprüfung den Rest.
Kann Pflegegrad 5 noch erhöht werden? Nein, Pflegegrad 5 ist der höchste reguläre Pflegegrad. Bei außergewöhnlich hohem Pflegebedarf — etwa bei Beatmungspflicht oder permanenter Lagerungspflicht im Wachkoma — gibt es jedoch zusätzliche Leistungen, die gesondert beantragt werden können (zum Beispiel besondere Behandlungspflege).
Was tun, wenn die Begutachtung zu niedrig ausfällt? Innerhalb von vier Wochen nach Erhalt des Bescheids können Sie Widerspruch einlegen. Gut dokumentierte Pflegetagebücher, ärztliche Stellungnahmen, Berichte des Pflegedienstes und ein klar formulierter Widerspruchsbrief erhöhen die Erfolgsquote erheblich. Bei Bedarf führt der Medizinische Dienst eine neue Begutachtung durch — diesmal oft mit besser dokumentiertem Pflegealltag.
Können wir die 990 € Pflegegeld an einen Angehörigen auszahlen? Rechtlich ist das Pflegegeld eine Leistung an den Pflegebedürftigen, nicht an die Pflegeperson. Sie können das Geld aber selbstverständlich an Ihre pflegenden Angehörigen weitergeben — viele Familien tun das als Anerkennung des Aufwands. Steuerlich gilt das in der Regel nicht als Einkommen der Pflegeperson, solange es sich um eine sittlich gebotene Unterstützung im familiären Rahmen handelt.
So unterstützt BeHome Care in Bochum
Wir kommen mehrfach täglich zu Klient:innen mit Pflegegrad 5 in Bochum und im Ruhrgebiet. Wir koordinieren mit Angehörigen, ergänzen Behandlungspflege nach § 37 SGB V und beantragen mit Ihnen gemeinsam alles, was zur Pflegekassen-Leistung dazugehört. Wir sagen ehrlich, wann die häusliche Versorgung an Grenzen kommt — und wann eine Pflege-Wohngemeinschaft oder ein Heim die bessere Lösung wäre.
→ Kostenloses Erstgespräch in Bochum vereinbaren → Häusliche Krankenpflege in Bochum
Weiterführend:
- Pflegegrad 4: Leistungen, Geld & Voraussetzungen 2026
- Pflegegrad beantragen 2026: Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Höherstufung des Pflegegrads beantragen: Wann & wie
- Pflegegrad-Antrag abgelehnt? Widerspruch in 5 Schritten
Stand: Juli 2026. Beträge und gesetzliche Grundlagen können sich ändern — wir aktualisieren diesen Ratgeber bei jeder relevanten Reform.
Quellen: § 15 SGB XI (Begutachtungsinstrument) · § 36 SGB XI (Pflegesachleistungen) · § 37 SGB XI (Pflegegeld + Beratungsbesuch) · § 38 SGB XI (Kombinationsleistung) · § 39 SGB XI (Verhinderungspflege) · § 40 SGB XI (Pflegehilfsmittel + Wohnumfeld) · § 42 SGB XI (Kurzzeitpflege) · § 43 SGB XI (Vollstationäre Pflege) · § 45b SGB XI (Entlastungsbetrag) · § 37 SGB V (Behandlungspflege) · GKV-Spitzenverband Rundschreiben SGB XI Stand 01.01.2026