Frau K. aus Bochum weiß noch genau, wie es war: Ihr Vater konnte plötzlich nicht mehr allein aufstehen. Anziehen, Waschen, Essen — alles brauchte Unterstützung. Die Pflegekasse stufte ihn in Pflegegrad 4 ein. „Ich hatte keine Ahnung, was uns jetzt zusteht", sagt sie. „Die Zahlen auf dem Bescheid haben mich erst einmal überwältigt."
Das kennen viele Familien. Pflegegrad 4 markiert den Übergang zu schwerer Pflegebedürftigkeit — und damit zu einem Leistungspaket, das erheblich größer ist als bei den Graden 1 bis 3. Dieser Ratgeber erklärt, was Sie 2026 wissen müssen.
Was bedeutet Pflegegrad 4 genau?
Der Medizinische Dienst (MD) bewertet die Selbstständigkeit in sechs Lebensbereichen und vergibt Punkte. Bei 70 bis unter 90 Punkten wird Pflegegrad 4 festgestellt.
Das bedeutet: Die Person kann die meisten alltäglichen Tätigkeiten nicht mehr selbst ausführen und ist auf umfangreiche Unterstützung angewiesen — bei der Körperpflege, beim Essen, beim Aufstehen und Zubettgehen, bei der Medikamentengabe und vielem mehr. Menschen mit schwerer Demenz oder psychischen Erkrankungen werden oft ebenfalls in Pflegegrad 4 oder 5 eingestuft, auch wenn die körperliche Einschränkung allein das nicht rechtfertigen würde.
Welche Geldleistungen zahlt die Pflegekasse 2026?
Die Leistungsbeträge wurden zum 1. Januar 2025 um 4,5 Prozent erhöht und gelten unverändert für 2026:
Pflegegeld nach § 37 SGB XI: 800 € monatlich
Das Pflegegeld erhalten Pflegebedürftige, die zu Hause von Angehörigen oder anderen privaten Pflegepersonen versorgt werden. Die 800 € fließen direkt auf das Konto des Pflegebedürftigen — sie können frei verwendet werden. Wer Pflegegeld bezieht, muss jedoch alle sechs Monate einen Beratungsbesuch eines zugelassenen Pflegedienstes nachweisen.
Pflegesachleistungen nach § 36 SGB XI: 1.859 € monatlich
Statt Pflegegeld können Sie professionelle Pflege durch einen anerkannten Pflegedienst in Anspruch nehmen. Die Pflegekasse übernimmt dann Kosten bis zu 1.859 € monatlich direkt beim Dienst. Viele Familien wählen die Kombination aus Pflegegeld und Sachleistung: Wer zum Beispiel Sachleistungen in Höhe von 50 Prozent des Höchstbetrags abruft, erhält zusätzlich 50 Prozent des Pflegegeldes — also 400 €.
Entlastungsbetrag nach § 45b SGB XI: 131 € monatlich
Dieser Betrag steht zusätzlich und unabhängig vom Pflegegeld oder den Sachleistungen zur Verfügung. Er ist zweckgebunden: Betreuungsangebote, Alltagsbegleitung, Haushaltshilfen eines zugelassenen Dienstes. Nicht abgerufene Beträge können bis zu zwölf Monate ins Folgejahr übertragen werden.
Was ist mit Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege?
Für Auszeiten der Pflegeperson oder bei vorübergehend gesteigertem Pflegebedarf gibt es zwei weitere Töpfe:
- Verhinderungspflege (§ 39 SGB XI): bis zu 3.539 € pro Jahr aus dem gemeinsamen Jahresbetrag mit der Kurzzeitpflege (§ 42a SGB XI, seit 1.7.2025) — bei Urlaub, Krankheit oder anderen Verhinderungsgründen der Hauptpflegeperson
- Kurzzeitpflege (§ 42 SGB XI): bis zu 3.539 € pro Jahr — seit 1. Juli 2025 als gemeinsamer Jahresbetrag mit der Verhinderungspflege (§ 42a SGB XI) — für stationäre Kurzzeitpflege (z. B. nach einem Krankenhausaufenthalt)
Beide Beträge können seit 2025 gemeinsam in einem Topf von 3.539 € flexibel genutzt werden.
Welche Sachleistungen übernimmt BeHome Care?
Ein ambulanter Pflegedienst wie BeHome Care rechnet seine Leistungen direkt mit der Pflegekasse ab. Zu den typischen Leistungen bei Pflegegrad 4 gehören:
- Körperpflege (Waschen, Duschen, Hilfe beim Ankleiden)
- Hilfe beim Aufstehen, Hinlegen, Umbetten
- Medikamentengabe und Dokumentation
- Ernährungshilfe
- Behandlungspflege nach ärztlicher Verordnung (z. B. Wundversorgung, Injektionen)
Da bei Pflegegrad 4 der Pflegebedarf hoch ist, empfiehlt es sich, alle Leistungsansprüche vollständig auszuschöpfen. Unsere Pflegeberater in Bochum und Wattenscheid helfen Ihnen, das richtige Leistungspaket zusammenzustellen.
FAQ: Häufige Fragen zu Pflegegrad 4
Kann man von Pflegegrad 4 in Pflegegrad 5 hochgestuft werden?
Ja. Wenn sich der Gesundheitszustand weiter verschlechtert und der Punktwert 90 oder mehr beträgt, kann eine Höherstufung beantragt werden. Der Antrag wird bei der Pflegekasse gestellt; der MD prüft dann erneut.
Gilt Pflegegrad 4 auch für vollstationäre Pflege?
Ja. Bei einem Heimeinzug zahlt die Pflegekasse bei Pflegegrad 4 einen Zuschuss von 1.995 € monatlich (2026) an die Pflegeeinrichtung. Der Eigenanteil hängt von Heimkosten und Einkommen ab.
Wird das Pflegegeld auf die Rente oder Sozialhilfe angerechnet?
Das Pflegegeld selbst ist steuerfrei und wird grundsätzlich nicht auf Sozialleistungen angerechnet — es gilt als zweckbestimmte Einnahme. Im Einzelfall sollte ein Sozialberater hinzugezogen werden.
Was passiert, wenn ein Antrag abgelehnt wird?
Sie können innerhalb von vier Wochen schriftlich Widerspruch einlegen. Legen Sie ärztliche Stellungnahmen und Pflegetagebücher bei — das erhöht die Erfolgsquote deutlich.
Haben Sie Fragen zu den Leistungen bei Pflegegrad 4 in Bochum oder Wattenscheid? BeHome Care berät Sie kostenlos und unverbindlich: Jetzt Beratung anfragen
Was Pflegegrad 4 im Alltag bedeutet
Pflegegrad 4 steht für eine schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit. In der Praxis heißt das: Unterstützung ist rund um die Uhr planbar nötig, und die Versorgung lässt sich selten von einer Person allein tragen.
Daraus folgen drei Konsequenzen, die früher gezogen werden sollten, als sie meist gezogen werden:
Die Versorgung auf mehrere Schultern verteilen. Eine Hauptpflegeperson allein hält diese Stufe auf Dauer nicht durch. Pflegedienst, Verhinderungspflege, Tagespflege und Entlastungsbetrag sind dafür gedacht, gemeinsam genutzt zu werden.
Die Wohnung anpassen, bevor etwas passiert. Der Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen muss vor dem Umbau beantragt werden. Wer erst nach dem Sturz umbaut, zahlt selbst.
Hilfsmittel konsequent nutzen. Pflegebett, Lifter und Lagerungshilfen entlasten nicht nur die pflegebedürftige Person, sondern schützen den Rücken der Angehörigen. Sie werden auf Antrag gestellt, nicht auf Nachfrage angeboten.
Wenn die Versorgung zu Hause an Grenzen stößt
Bei Pflegegrad 4 kommt regelmäßig die Frage auf, ob es zu Hause noch geht. Sie verdient eine ehrliche Antwort statt einer schnellen.
Häufig ist die Alternative nicht Heim oder Zuhause, sondern eine dritte Möglichkeit: eine ambulant betreute Wohngemeinschaft, eine Kombination aus Pflegedienst und nächtlicher Betreuung, oder eine Phase Kurzzeitpflege, um Luft für die Entscheidung zu gewinnen. Was die Wohnformen unterscheidet, steht in Pflege-WG oder Pflegeheim.
Entscheidend ist, die Frage zu stellen, solange noch Zeit zum Wählen bleibt — nicht erst nach dem Krankenhausaufenthalt, an dem alles auf einmal geklärt werden muss.
Fragen, die bei Pflegegrad 4 immer wieder kommen
Reichen die Leistungen für eine Versorgung rund um die Uhr? Nein. Auch bei Pflegegrad 4 deckt die Pflegekasse nur einen Teil. Was tatsächlich möglich ist, steht in 24-Stunden-Pflege zu Hause.
Was ist der Unterschied zu Pflegegrad 5? Pflegegrad 5 setzt schwerste Beeinträchtigung mit besonderen Anforderungen an die Versorgung voraus. Der Sprung ist in der Praxis kleiner, als die Beträge vermuten lassen.
Können wir Tagespflege zusätzlich nutzen? Ja. Die Tagespflege hat ein eigenes Budget und wird nicht auf die ambulante Sachleistung angerechnet.
Wie oft ist der Beratungsbesuch fällig? Bei Pflegegeldbezug ab Pflegegrad 4 vierteljährlich.
Bekommen wir Hilfsmittel automatisch? Nein, nur auf Antrag. Pflegebett, Lifter und Lagerungshilfen werden gestellt oder bezuschusst, wenn sie beantragt und begründet sind.
Was ist, wenn die Pflegeperson ausfällt? Dafür ist der gemeinsame Jahresbetrag für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege da. Planen Sie ihn ein, bevor der Notfall eintritt.
Was Angehörige bei Pflegegrad 4 am meisten entlastet
Aus der Beratungspraxis, nach Wirkung sortiert:
Nächtliche Entlastung. Der Schlafmangel der Hauptpflegeperson ist bei dieser Stufe der häufigste Grund, warum eine häusliche Versorgung endet — nicht die Pflege selbst.
Ein zweiter Mensch für die Transfers. Umlagern und Übersetzen zu zweit schont beide Seiten und verhindert die Rückenverletzung, die den Alltag von einem Tag auf den anderen beendet.
Feste Zeiten statt Dauerbereitschaft. Wer weiß, wann Unterstützung kommt, kann den Rest des Tages planen. Diffuse Zuständigkeit erschöpft mehr als Arbeit.
Die Rente der Pflegeperson im Blick behalten. Wer regelmäßig pflegt und nicht mehr als 30 Stunden erwerbstätig ist, kann Rentenbeiträge über die Pflegekasse erhalten. Das wird häufig übersehen — fragen Sie ausdrücklich danach.
Weiterführend:
- Pflegegrad 3: Leistungen und Voraussetzungen
- Pflegegrad 5: Leistungen und Voraussetzungen
- Höherstufung des Pflegegrads beantragen
- MDK-Begutachtung vorbereiten
Stand: September 2026. Wir prüfen diesen Ratgeber bei jeder Änderung nach.


