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Nach dem Krankenhaus — wie geht die Pflege zu Hause in Bochum weiter?
Pflegealltag

Nach dem Krankenhaus — wie geht die Pflege zu Hause in Bochum weiter?

Lisa Richter · · ca. 5 Min. Lesezeit

Der Anruf kommt meist am Vormittag. Eine ruhige Stimme aus dem Sozialdienst der Klinik sagt: „Ihre Mutter kann übermorgen entlassen werden." Sie legen auf — und stehen vor einer Wand aus Fragen. Wie kommt sie nach Hause? Wer hilft beim ersten Treppensteigen? Wer wechselt den Verband, den die Pflegekraft auf Station heute Morgen noch routiniert angelegt hat? Wer holt das Rezept aus der Apotheke, wenn Mutter selbst kaum die Wohnungstür erreicht?

Genau in dieser Phase setzt das ein, was im Gesetz „Entlassmanagement" heißt — und was in Bochum jeden Tag dutzendfach passiert: Im Knappschaft Klinikum Universitätsklinikum, im Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil, im Katholischen Klinikum Bochum, im St. Elisabeth-Hospital. Krankenhäuser sind seit § 39 Abs. 1a SGB V verpflichtet, die Pflege nach der Entlassung vorzubereiten. Die Realität zwischen Anspruch und Alltag ist allerdings nicht immer so reibungslos, wie es das Gesetz vorsieht.

Was passiert direkt nach der Entlassung?

Die ersten 14 Tage zu Hause sind entscheidend. In dieser Zeit kann eine sogenannte Krankenhausvermeidungspflege nach § 37 Abs. 1 SGB V greifen — die Krankenkasse übernimmt dann nicht nur die Behandlungspflege (Wundversorgung, Medikamentengabe, Injektionen), sondern für bis zu vier Wochen auch die Grundpflege. Voraussetzung ist eine Verordnung des Krankenhausarztes oder der niedergelassenen Hausärztin, ausgestellt direkt zum Entlassungstag.

Wichtig zu wissen: Diese Verordnung holt das Krankenhaus üblicherweise selbst ein. Wenn das nicht passiert ist, sollten Angehörige im Entlassungsgespräch konkret danach fragen. „Wer schreibt die Folge-Verordnung für die Häusliche Krankenpflege?" — diese eine Frage erspart später viele Telefonate.

Welche Hilfe braucht es wirklich?

Im Krankenhaus tun viele Hände viele Dinge gleichzeitig. Zu Hause wird sichtbar, wie viel davon plötzlich fehlt. Eine kurze, ehrliche Bestandsaufnahme hilft, bevor der Pflegedienst zum ersten Mal klingelt:

  • Körperpflege: Wo schafft Ihre Mutter etwas selbst, wo nicht mehr? Duschen, Anziehen, Toilettengang — Schritt für Schritt durchgehen.
  • Verbände und Wundversorgung: Welcher Verband wurde im Krankenhaus angelegt? Wann muss er das nächste Mal gewechselt werden?
  • Medikamente: Liegt der Entlassungsbrief mit aktualisiertem Medikationsplan vor? Hat sich gegenüber dem alten Plan etwas geändert?
  • Mobilität: Gibt es Stufen vor der Wohnungstür? Reicht das Bad? Manche Wohnungen in Bochum-Wattenscheid oder Stiepel sind großzügig, andere in Altbauten lassen kaum Platz für einen Rollator.
  • Einkauf und Haushalt: Wer kocht in den ersten Tagen? Wer holt Einkäufe?

Diese Liste klingt banal — aber genau an diesen kleinen Dingen entscheidet sich, ob die Genesung zu Hause gelingt oder ob ein vermeidbarer Sturz Ihre Mutter wieder in die Notaufnahme bringt.

Welche Leistungen zahlt die Kasse?

Hier hilft es, die rechtlichen Säulen einmal kurz zu sortieren — auch wenn das im akuten Stress wie Buchhaltung wirkt:

Häusliche Krankenpflege (§ 37 SGB V): Verbände, Spritzen, Medikamenten­gabe, Blutzucker­messung. Wird vom Hausarzt oder Klinikarzt verordnet, die Krankenkasse zahlt vollständig (außer 10 € Rezeptgebühr pro Verordnungsblatt, gedeckelt im Jahr). Bei Krankenhaus­vermeidungs­pflege für bis zu vier Wochen auch Grundpflege.

Pflegegrad (SGB XI): Wenn die Pflege­bedürftigkeit länger anhalten wird, lohnt sich der Antrag bei der Pflegekasse. Auch wenn noch kein Pflegegrad besteht: Ab dem Tag der Antragstellung beginnt der Anspruch zu laufen. Der Antrag ist formlos möglich — ein kurzer Anruf bei der Kasse genügt.

Entlastungs­betrag (§ 45b SGB XI): 131 Euro im Monat ab Pflegegrad 1, einsetzbar für Hauswirtschaft, Betreuung, Begleitung zum Arzt. Nicht verbrauchte Beträge sammeln sich bis Mitte des Folgejahres an.

Wann sollten Sie einen Pflegedienst dazuholen?

So früh wie möglich. Idealerweise noch während der letzten Krankenhaus­tage. Ein guter Pflegedienst kann vor der Entlassung mit Ihnen in die Klinik kommen, mit der Station sprechen und den Übergang gemeinsam planen. So weiß die Pflegekraft, die am Entlassungstag bei Ihnen zu Hause klingelt, bereits, welche Wunde versorgt werden muss, welche Medikamente neu sind und worauf Ihre Mutter besonders empfindlich reagiert.

In Bochum und im Ruhrgebiet sind die Wartezeiten je nach Stadtteil unterschiedlich. Im Frühling und Herbst — der klassischen „Krankenhaus-Saison" — sind viele Dienste an der Kapazitäts­grenze. Ein Anruf eine Woche vor der geplanten Entlassung ist deutlich besser als ein Anruf am Entlassungs­tag selbst.

Was kostet die Pflege zu Hause?

Behandlungs­pflege auf Verordnung ist für Sie kostenfrei. Bei der Grundpflege über die Pflegekasse gibt es ab Pflegegrad 2 Sachleistungen (zwischen 796 € und 2.299 € im Monat, je nach Pflegegrad, Stand 2025). Was darüber hinausgeht — und das ist bei einer frischen Krankenhaus­entlassung oft der Fall — wird als Eigenanteil berechnet.

Ein seriöser Pflegedienst legt Ihnen vor dem ersten Einsatz einen Kosten­voranschlag vor. Darin steht schwarz auf weiß, welche Leistung wann erbracht wird, wer sie bezahlt und welcher Betrag bei Ihnen ankommt. Wenn dieser Schritt fehlt, fragen Sie aktiv danach. Eine seriöse Pflege beginnt mit transparenter Rechnung — nicht mit der Überraschung im Briefkasten zwei Monate später.

Und wenn die Pflege länger dauert als gedacht?

Manche Genesungen sind kürzer als vermutet. Andere verändern das Leben dauerhaft — auch das ist Realität. Die Erfahrung aus über zehn Jahren ambulanter Pflege in Bochum zeigt: Familien, die früh um Hilfe bitten, kommen besser durch diese Phase als Familien, die alles allein versuchen. Nicht, weil sie schwächer wären — sondern weil Pflege im Alltag zu Hause ein Team-Spiel ist.

Wenn Sie gerade vor einer Krankenhaus­entlassung stehen oder mit dem Sozialdienst der Klinik telefonieren: Nehmen Sie über unser Kontaktformular Kontakt mit uns auf. Auch wenn Sie nur unsicher sind, ob überhaupt ein Pflegedienst notwendig ist — das Erstgespräch ist kostenlos, unverbindlich, und Sie wissen am Ende, wo Sie stehen.


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Fachbeitrag von

Lisa Richter

Zertifizierte Pflegeberaterin

Lisa Richter berät täglich Familien in Bochum rund um Pflegegrade, Entlastungsangebote und optimale Wohnlösungen im Alter.

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