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Magazin · Pflege & Pflegegrade

Herbst zuhause: Dunkelheit, Sturzrisiko und Grippeschutz

Früher dunkel, nasses Laub, Infektsaison: Warum die Sturzzahlen ab Oktober steigen — und welche zehn Minuten im September das meiste abfangen.

S Sarah Müller ca. 5 Min. Lesezeit
Herbst zuhause: Dunkelheit, Sturzrisiko und Grippeschutz

Auf einen Blick: Der Herbst verschiebt drei Dinge im Alltag älterer Menschen gleichzeitig: Es wird früher dunkel, die Wege werden rutschig, und die Infektsaison beginnt. Jede dieser Veränderungen für sich ist harmlos — zusammen sind sie der Grund, warum die Sturzzahlen ab Oktober steigen. Mit ein paar Handgriffen im Flur, im Bad und auf dem Weg zur Haustür lässt sich das meiste abfangen.

Im September merkt man es zuerst am Licht. Um sechs ist es schon dämmrig, der Weg von der Küche ins Bad liegt im Halbdunkel, und der Blick vom Fenster auf die Straße zeigt nasses Laub. Für die meisten von uns ist das eine Stimmungsfrage. Für einen 84-jährigen Menschen, der nachts zur Toilette muss, ist es eine Sicherheitsfrage.

Wir schreiben diesen Beitrag jedes Jahr im Spätsommer, weil die Zeit dafür jetzt ist — nicht im November, wenn der erste Sturz schon passiert ist.

Warum ist Dunkelheit das unterschätzte Sturzrisiko?

Die Augen älterer Menschen brauchen länger, um sich an wechselnde Lichtverhältnisse anzupassen, und sie brauchen insgesamt mehr Licht. Wenn Sie nachts aus dem Bett aufstehen, orientieren Sie sich in den ersten Sekunden fast blind — genau dann passieren die meisten Stürze in der eigenen Wohnung.

Was hilft, kostet wenig:

  • Bewegungsmelder im Flur, im Bad und neben dem Bett. Sie schalten das Licht, bevor jemand tastend nach dem Schalter sucht.
  • Nachtlicht mit warmem Licht auf Bodenhöhe, das den Weg markiert, ohne zu blenden.
  • Lichtschalter erreichbar machen: Ein zweiter Schalter neben dem Bett ist eine der lohnendsten kleinen Anschaffungen.
  • Brille prüfen lassen. Eine Sehstärke, die vor zwei Jahren gepasst hat, passt heute vielleicht nicht mehr — und im Dämmerlicht fällt das zuerst auf.

Ergänzend gilt, was das ganze Jahr über zählt: Kabel weg vom Boden, Teppichkanten fixieren, keine losen Läufer im Flur. Ausführlich steht das in unserem Beitrag zur Sturzprävention.

Wie machen Sie die Wege draußen sicher?

Nasses Laub auf Gehwegplatten ist glatter, als es aussieht, und es liegt genau dort, wo ältere Menschen unterwegs sind: auf dem Weg zur Mülltonne, zum Briefkasten, zur Bushaltestelle.

Drei Dinge machen den Unterschied. Schuhwerk mit Profil — Hausschuhe mit glatter Sohle sind für den Gang zur Mülltonne die schlechteste Wahl. Feste Wege statt Abkürzungen: die beleuchtete Straße nehmen, auch wenn sie zwei Minuten länger dauert. Und Handlauf und Geländer benutzen, was banal klingt, aber oft aus Stolz unterbleibt.

Wenn Sie einen Rollator nutzen, prüfen Sie jetzt die Reifen. Abgefahrene Räder rutschen auf nassem Untergrund, und die Bremsen greifen im Herbst schlechter, wenn sie über den Sommer verschmutzt sind. Ein Blick in der Werkstatt des Sanitätshauses dauert zehn Minuten.

Wann sollten Sie die Grippeimpfung planen?

Ab Oktober beginnt die Grippesaison. Für Menschen über 60 empfiehlt die Ständige Impfkommission die jährliche Grippeimpfung, dazu je nach Alter und Vorerkrankungen weitere Impfungen. Der beste Zeitpunkt liegt in der Regel im Oktober und November, damit der Schutz zum Höhepunkt der Welle steht.

Praktisch heißt das für Sie: Vereinbaren Sie den Termin jetzt, statt zu warten, bis die Praxis überlaufen ist. Wenn Sie mehrere Termine bündeln können — Impfung, Blutdruckkontrolle, Rezepte —, sparen Sie sich einen zusätzlichen Weg.

Und ein Punkt, der oft untergeht: Wer im Herbst weniger nach draußen geht, trinkt oft auch weniger. Die Heizungsluft trocknet zusätzlich aus. Ein Glas Wasser auf dem Küchentisch, sichtbar, ist eine erstaunlich wirksame Erinnerung — mehr dazu im Beitrag Flüssigkeitsmangel im Alter.

Was hilft gegen die Schwere der dunklen Monate?

Der Herbst verändert nicht nur die Wege, sondern auch die Stimmung. Weniger Tageslicht, weniger spontane Begegnungen, mehr Zeit allein in der Wohnung: Für Menschen, die ohnehin selten Besuch bekommen, beginnt jetzt die schwierigste Zeit des Jahres.

Was dagegen hilft, ist unspektakulär und wirkt trotzdem. Tageslicht am Vormittag, auch bei bedecktem Himmel — zwanzig Minuten draußen sind mehr wert als jede Lampe. Feste Termine in der Woche, die eine Struktur geben: der Einkauf am Dienstag, das Telefonat mit der Tochter am Sonntag. Und Kontakte aktiv halten, statt zu warten, bis jemand von selbst anruft.

Wenn Ihnen bei einem Angehörigen auffällt, dass er sich zurückzieht, weniger isst oder das Telefon nicht mehr abnimmt, ist das kein normaler Herbstblues, sondern ein Anlass, genauer hinzusehen. Wir haben das im Beitrag Einsamkeit im Alter ausführlicher beschrieben.

Was gehört in Ihren Herbst-Check?

Gehen Sie einmal in Ruhe durch die Wohnung, am besten abends bei eingeschaltetem Licht, und beantworten Sie sich acht Fragen:

Ist der Weg vom Bett zum Bad beleuchtet, ohne dass jemand suchen muss? Liegen im Flur Dinge, über die man im Halbdunkel stolpert? Sind die Hausschuhe rutschfest und geschlossen? Ist ein Handlauf an der Treppe fest? Steht im Bad eine Haltemöglichkeit, wo geduscht wird? Ist die Grippeimpfung terminiert? Sind Notfallnummern gut sichtbar am Telefon? Funktioniert der Hausnotruf, falls einer vorhanden ist?

Notieren Sie die Antworten, statt sie im Kopf zu behalten — eine Liste am Kühlschrank wird eher abgearbeitet als ein guter Vorsatz. Und beziehen Sie die Person ein, um die es geht: Wer selbst mitentscheidet, wo der Haltegriff hinkommt, nutzt ihn später auch.

Was dabei auffällt, lässt sich meist an einem Nachmittag beheben. Viele Anpassungen bezuschusst die Pflegekasse zudem: Für Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfelds nach § 40 Absatz 4 SGB XI gibt es bei bestehendem Pflegegrad einen Zuschuss je Maßnahme — vom Haltegriff bis zum Umbau der Dusche.

Wir von BeHome Care schauen bei unseren Besuchen in Bochum und Wattenscheid im Herbst gezielt auf diese Punkte: Licht, Wege, Schuhwerk, Trinkmenge. Wenn Sie unsicher sind, was in Ihrer Wohnung sinnvoll ist, kommen wir vorbei und gehen es mit Ihnen durch — die Beratung kostet nichts.

Weiterführend:

Rechtsgrundlagen: § 40 SGB XI — Pflegehilfsmittel und wohnumfeldverbessernde Maßnahmen · § 45b SGB XI — Entlastungsbetrag · § 20i SGB V — Schutzimpfungen

Quellen: Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (jährliche Grippeimpfung ab 60 Jahren) · § 40 SGB XI — wohnumfeldverbessernde Maßnahmen

Stand: August 2026 · fachlich geprüft von Manuela Storek, Pflegedienstleitung (examinierte Pflegefachkraft). Impfempfehlungen richten sich nach den Vorgaben der Ständigen Impfkommission — sprechen Sie Ihre Hausarztpraxis an.

Portrait von Sarah Müller
Fachbeitrag von

Sarah Müller

Teamleitung BeHome Care

Sarah Müller leitet seit über 10 Jahren die Pflege bei BeHome Care. Ihre Expertise liegt in der Strukturierung von Pflege-WGs und der Qualitätssicherung in der ambulanten Pflege.

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Fachlich geprüft von Manuela Storek, Pflegedienstleitung · Stand: September 2026
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